Pädagogisches Konzept

  Pädagogisches Konzept

Unsere Pädagogik basiert auf ethisch-sozialen Wertvorstellungen, die sowohl die Bildungsvereinbarung des Landes Nordrhein-Westfalen berücksichtigt als auch Einflüsse aus verschiedenen pädagogischen Richtungen beinhaltet. Unsere Konzeption zeichnet sich dadurch aus, dass wir eigene Kenntnisse und Erfahrungen mit Teilbereichen anderer  Ansätze kombinieren. Die Eltern und das pädagogische Team  stützen und tragen gemeinsam das pädagogische Konzept der Wurzelkinder.

Merkmale des Konzeptes sind:

  • Ein humanitäres Menschen- und  Gesellschaftsbild
  • Ein ganzheitlich- situationsorientierte Ansatz
  • Elemente aus der Natur- und Waldpädagogik, Waldorfpädagogik und Montessoripädagogik
  • Ein funktionsorientierter Ansatz

Ethische  Orientierung

Wir alle richten uns in unserem Leben nach bestimmten Werten, seien sie uns nun bewusst oder nicht. Eltern und ErzieherInnen müssen sich allerdings darüber klar werden, auf welcher „ethischen Basis“ sie mit ihren Kindern umgehen, mit ihnen arbeiten und leben. Wir gegen davon aus, dass alle  Mitwirkenden der Wurzelkinder dem Folgendem grundsätzlich zustimmen.

Wir Menschen sind ein Teil der Welt und können nicht ohne sie existieren. Aus diesem Grund haben wir Respekt von der uns umgebenden Natur, vor den Tieren und Pflanzen.

Wir sind der Überzeugung, dass es kein soziales Miteinander gibt, ohne dass wir den anderen annehmen und den anderen neben uns leben lassen. Dies ist eine Grundlage, die Kinder in ihrer Entwicklung lernen müssen.

Für ein Kind und seine Entwicklung ist eine natürliche Gegebenheit über seine Existenz Fragen zu stellen – Wer bin ich? Wohin gehe ich? Die Geburt eines Geschwisterkindes, der Tod eines vertrauten Menschen oder Tieres sind Ereignisse, die solche Fragen auslösen können. Unser Anliegen ist es, Kindern einen Angemessenen Rahmen zu bieten, in dem sie Zeit Ruhe finden, sich mit diesen existenziellen Fragen und  den Gefühlen, die sie begleiten, auseinanderzusetzen. Bei den Wurzelkindern erleben die Kinder rhythmische Lebensprozesse wie das Werden und Vergehen anhand der Jahreszeiten der Pflanzen und Tierwelt. Der Kreislauf des Lebens ist jeden Tag ganz konkret erlebbar. Gespräche und Geschichten zu diesem Thema in einer Atmosphäre von Geborgenheit, Vertrautheit und Wertschätzung ermöglichen den Kindern sich unbefangen sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Der Umgang miteinander und auch der Umgang mit den Pflanzen der Natur und des Waldes lässt die Kinder Achtsamkeit, Toleranz und Rücksichtnahme üben.

 

Ganzheitlich situationsorientierter Ansatz

Der Ansatz repräsentiert keine spezielle Technik oder Methode, sondern ein ganz bestimmte Haltung, eine persönlichkeitsbestimmte Sichtweise von ganzheitlicher Pädagogik und dem annehmen von aktuellen Situationen. Man geht davon aus, dass aktuelle Ausdrucksformen der Kinder (Spielverhalten, Verhalten, Malen, Sprechen, Bewegungen und Träume) aus zurückliegenden Ereignissen, Erfahrungen und Eindrücken resultieren. Das, die Gegenwart ein Abbild der Vergangenheit ist. In den Kindergärten, die nach dem Sitationsorientierten Ansatz arbeiten, stehen die Themen der Kinder im Mittelpunkt. Das was die meisten Kinder beschäftigt, wird von den Erziehern in Projekten thematisiert.

In einer natürlichen Umgebung die Geborgenheit und Vertrauen vermittelt, werden dem Kind unzählige Erfahrungsmöglichkeiten mit sich und seiner Umwelt ermöglicht. Die Erziehung, Bildung und Betreuung im Naturkindergarten Wurzelkinder richtet sich am Entwicklungsstand des Kindes, nach seinem Bedürfnissen und seiner aktuellen Lebenssituation.Wir legen Wert auf eine ganzheitliche, den Menschen umfassende Erziehung. Hier darf das Kind Kind sein. Es hat genug Platz für die körperliche- und seelische Entfaltung. Kinder sind Künstler, Forscher und Entdecker.Wir geben den Kindern den nötigen Freiraum zum Experimentieren, zum Umsetzen Eigener Ideen, um eigenverantwortlich zu Handeln. Das Ziel des Kindes ist der Weg unserer pädagogischen Arbeit.

Die Vielfalt der uns umgebenden Natur bietet den Kindern die Gelegenheit, sich mit allen Sinnen auf ihre Umgebung einzulassen. Hügel können heruntergekullert und erklommen werden, Pfützen werden begeistert durchlaufen, im nassen Sand wird gematscht und geformt, Bäume werden erklettert und Wiesen dienen als riesiger  Tobeplatz. Die Anregungen der natürliche Umgebung sind so vielfältig, dass sie hier gar nicht alle aufgezählt, geschweige denn in ihrem Variantenreichtum erläutert werden können. So unerschöpflich die Anregungen der Natur auch sind, so unendlich ist auch die Phantasie, mit der die Kinder sich in der Natur ausprobieren können. Gerade im selbstbestimmten Rollenspiel finden die Kinder ihre Positionen in der Gruppe und erleben ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Von den ErzieherInnen verlangt die abwechslungsreiche Umgebung ein hohes Maß an Flexibilität! Wie oft überrascht uns im Morgenkreis der Traktor des Nachbarlandwirts, der auf dem angrenzenden Feld pflügt, während wir gerade unseren Morgenkreis durchführen? Dann muss genug Zeit sein, die Ereignisse zu bestaunen, denn die anderen Dinge laufen nicht weg. Die ErzieherInnen leiten aus den Beobachtungen Situationen ab, die für die meisten Kinder von Bedeutung sind und entwickeln daraus Projekte.

 

Natur- und Waldpädagogik

Die primäre pädagogische Kraft im Wurzelkindergarten ist die Natur selbst. Durch unbegrenzten Raum, Stille und Zeit werden Kinder in der Entwicklung ihrer emotionalen Stabilität, ihrer Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit angemessen unterstützt. Im direkten kontinuierlichen Kontakt zur Natur üben die Kinder Umsichtigkeit und Rücksicht mit ihr. Es werden Gefühle von Vertrautheit in Bezug auf Pflanzen, Tiere und Erde und Wasser entwickelt, um sich letztlich in der Natur zu Hause zu fühlen. Dieses Gefühl sich draußen zu Hause zu fühlen, werden die Kinder ihr Leben lang in sich tragen.

Menschen, die früh Natur vielfältig erleben können, wollen sie auch bewahren. Die Wertschätzung der Natur wirkt sich auf verantwortungsvolles Handeln in allen Lebensbereichen der Zukunft aus.

Wir gehen davon aus, dass Natur und Tiere den Kindern eine großes Erfahrung- und Lernfeld bieten. Die Kinder sollen durch den intensiven Kontakt mit der Natur vielfältige eigene Erfahrungen machen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln aber auch persönliche Grenzen erleben. Die natürliche Umgebung bietet andere Grenzen als geschlossene Räume und mehr Raum zur individuellen Entfaltung. Ihrem Bewegungsdrang werden wesentlich weniger Grenzen gesetzt. Dinge, die zum Spielen einladen, müssen erst erfunden werden. Der Einzelne kann sich nach seinen individuellen Neigungen beschäftigen und Aktivitäten ausprobieren, die im geschlossenen Raum nicht möglich wären.

Der Wurzelkindergarten fördert ganz besonders den Orientierungssinn. Die Kinder lernen sich „ihr“ Gelände vertraut zu machen und sich wichtige Geländemarken einzuprägen.Der Gleichgewichtssinn der Kinder wird durch den unebenen, nicht aufgeräumten Boden herausgefordert. Kinder lernen Hindernisse mit immer größerer Selbstverständnis zu überwinden.

Zudem verändert sich der natürliche Spielraum mit den Jahreszeiten. Die Stelle ist einmal bunt bewachsen und mit Tieren belebt, dann wieder still mit einer Schneedecke bedeckt. Die Zusammenhänge des Lebens, von Tieren und Pflanzen werden deutlich. Kleine Tiere werden entdeckt und ausführlich beobachtet.

Im Freien werden alle Sinne der Kinder angesprochen. So vergrößert sich ihre Aufmerksamkeit und sie erleben viele kleine elementare Sinneseindrücke, z.B. finden die Kinder in der Natur die unterschiedlichen Materialien wie Moos, Lehm, Rinde, Steine, Zapfen oder Bucheckern. Hartes und Weiches, Trockenes und Nasses, Glattes und Raues regen die Wahrnehmung durch die Haut an. Im Wechsel der Jahreszeiten treten viele unterschiedliche Gerüche auf. Wie riecht ein feuchter Blätterhaufen?

In der Natur lohnt es sich viel feiner hinzuhören als in einem geschlossenen Raum. Wie rascheln die Blätter? Wie hört sich Regen an? Wie singen die Vögel? Zusätzlich setzt die ganzheitlich Sinnesanregung der kulturell bedingten Reizüberflutung entgegen. In unserem modernen Leben werden unsere Kanäle einseitig stimuliert. Im freien Spiel in der Natur aber werden alle Sinne neu angesprochen.

 

 

Unsere Ausstattung, unser Spielzeug

Unser Anliegen ist es, die Erlebnisse und Erfahrungen der Kinder, die in der Natur gesammelt wurden, in unsere Räumlichkeiten zu übertragen. Dies drückt sich sowohl in der Gestaltung der Schutzräume, als auch bei unserem Spielzeug aus. So sorgen z.B. warme Farben an den Wänden, ein Jahreszeitentisch und die Gestaltung des Gruppenraumes für eine angenehme Atmosphäre. Um das freie Spiel anzuregen stehen in den Räumen Naturmaterialien zu Verfügung, die sie aus der Natur kennen. Auch beim Spiel drinnen fördern Äste, Tannenzapfen, Kastanien,Eicheln oder Bauklötze die Kreativität und Phantasie.

Wir verzichten aber nicht auf vorgefertigtes Spielzeug. So bieten wir selbstgenähte Puppen, Schneckenbänder,Holztiere, Teller, Tassen, Löffel oder Holzautos und natürlich auch Bücher und eine Verkleidungskiste. Im Hinblick auf die Vorschularbeit bieten wir auch Brett- und Würfelspiele an. Im Außenbereich stehen natürlich Sandspielzeug, Rutschautos, Schubkarren und Gartenwerkzeug zum Spielen zu Verfügung.

 

Waldorfpädagogik

Von besonderer Bedeutung sind Rhythmus und Wiederholung. Der regelmäßig wiederkehrende Ablauf eines Tages und eines Jahres gibt den Kindern Sicherheit und Geborgenheit. Sich wiederholende Aktivitäten erleichtern die Orientierung in der Lebenswelt des Kindergartens und erlauben so die Entwicklung einer altersentsprechenden Selbstständigkeit. Der Tagesablauf ist gekennzeichnet durch einen Wechsel von lebendigen und ruhigen Phasen, von Zeiten des freien Spiels und des angeleiteten, strukturierten Arbeitens, Einnehmen der Mahlzeiten oder Mittagsruhe.

Den Jahreslauf erleben die Kinder intensiv in der Natur. Beim „Einläuten“ des Frühlings, beim Wandern/Spielen im Wald oder beim Schlittenfahren. Dabei bleibt immer Zeit, Entdeckungen zu machen und mit ihnen zu experimentieren. Besonders wichtig im Jahreskreislauf ist das Feiern von christlichen Festen wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Das Fest braucht eine Vorbereitungszeit, den Höhepunkt und den Ausklang. Im Wiedererkennen der Vorbereitung auf das Fest macht sich in den Kindern Vorfreude bereit. Der Festtag ist dann der Höhepunkt. Im Naturkindergarten Wurzelkinder begleiten uns folgende Feste im Jahreskreis.

  • Herbstgeburtstag
  • Michaeli
  • Erntedank
  • St. Martin
  • Nikolaus
  • Adventsgärtlein/Sternengärtlein
  • 3-Königszeit
  • Fasching
  • Frühlingsgeburtstag
  • Ostern
  • Pfingsten
  • Johanni

Unterschiedliche Lieder, Verse und Geschichten verstärken das Miterleben des Jahreslaufs. Entsprechend der Jahreszeit wird im Kindergarten der Jahreszeitentisch gestaltet. Soweit wie möglich werden die Kinder in allem Tun mit einbezogen. Auf dem festlich gedeckten Tisch entdecken sie ihre selbst erarbeiteten Geschenke oder auf das Fest bezogene Symbole, z.B. eine Pfingsttaube aus Papier, die 3-Königskrone oder Martinslaternen.

Wir versuchen eine die Sinne bildende ästhetische Umgebung zu schaffen. Wir lernen Ausdrucksformen kennen, wie z.B. Aquarelltechnik.Wir bestärken die Kinder darin eigene Muster zu erfinden.

Geschichten und Märchen werden erzählt, elementare Spiel- und Bewegungsformen werden geübt: Seilspringen, rhythmische Lieder, Verse und Reime. Der Umgang mit Werkzeug wird geübt. Die ErzieherInnen berücksichtigen die die natürliche Reifungs- und Entwicklungsstufen der Kinder und stellen ihre Anforderungen, Angebote und Anregungen darauf ein.

 

Montessori-Pädagogik

Montessori-Pädagogik ist auch bei den Wurzelkindern im pädagogischen Konzept ein zentraler Punkt. Wir begegnen allen Kindern mit Achtung und Respekt und holen jedes Kind dort ab, wo es steht. Die Kinder sollen sich selbst ausprobieren, die ErzieherInnen begleiten und unterstützen sie. Wir beachten die Ziele, die die Kinder sich selbst stecken und helfen ihnen, diese zu erreichen. Wir begleiten sie zur selbstständigen und selbstbestimmten Aktivität und bieten ihnen deshalb Material und Themen an, welche sie in ihrer jeweiligen Entwicklungs- und Interessenphase brauchen.

 

Funktionsorientierter Ansatz

Der Grundgedanke, dass in der Kleinkindentwicklung bestimmte Funktionen wie Wahrnehmen, Denken, Kreativität oder Sprache schrittweise erlernt und eingeübt werden müssen um Lernziele zu erreichen, ist ein sehr durchplanter  und enger pädagogischer Ansatz, dem ein eher mechanisches Menschenbild zugrunde liegt, das die Kinder außer acht lässt. Wie bisher beschrieben sind die Wurzelkinder kein Kindergarten, der nach so einem Ansatz funktionieren will. Wir wissen aber auch, dass Gelerntes nicht immer erst dann dauerhaft verfügbar wird, wenn es häufig geübt wird. Deshalb setzen wir selbstverständliche Anteile vom Funktionsansatz in unserer Arbeit um: Bei bestimmten Basteleien, Spielen, Angeboten und Aktivitäten werden u.a. bestimmte Fertigkeiten eingeübt. Das Training ist gewiss nicht immer das Wichtigste, oft genug jedoch beabsichtigter (Neben)-Effekt. Im Übergang von Kleinkindalter zu Schulkindalter, von Kindergarten zum Schulleben ist es unerlässlich, dass Kinder auch diese Formen des Lernens kennenlernen – bei den Wurzelkindern können sie dies in einer individuellen, ganzheitlichen und freien Atmosphäre.

 

 

 

 

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